18 Jul
von admin - Kategorie: TRADITION UND MODERNE, KUNST & KULTUR, URLAUBSINFORMATION
(-Langfassung-)
Spazieren, Promenieren oder auch Flanieren zählen zu den traditionellen europäischen Freizeitgewohnheiten. Spazieren ist eine kulturelle Tätigkeit, dient der Entspannung, der Erholung und fördert die beobachtende oder gedankenvolle Muße.
Die HISTORISCHEN STÄDTE DEUTSCHLANDS bietet dem Spaziergänger ein wahres Panorama des kulturellen Erbes. Ein Spaziergang durch das Bilderbuch der deutschen Geschichte mit interessanten, manchmal auch überraschenden Perspektiven und Einblicken. Oft sind es die kleinen Gassen, die Kuriositäten am Wegesrand, das Spüren urbaner Atmosphäre, die den Besuch in einer Stadt zu einem Gesamterlebnis werden lassen. Der Wechsel des Betrachterstandpunktes, ermöglicht es Reisenden plötzlich Städte ästhetisch zu sehen und das zu erkennen, was im Alltag oft unbedeutend erscheint.
Man spricht von ihr mit Begeisterung oder Ehrfurcht, Verzückung und Bewunderung - die Einheimischen nennen sie liebevoll die Rue. Sie ist elegant und drückt aus, was hier Lebensart bedeutet: Die Wilhelmstraße in Wiesbaden lädt als Flaniermeile der Stadt zum „Sehen und gesehen werden“ ein. Platz genommen auf einer der weißen Bänke stilvoller Straßencafés, lässt man seinen Blick schweifen: Designer-Mode, Antiquitäten, Luxus, Lifestyle, ehrwürdige Platanen, Kaskaden-Springbrunnen und der Bowlinggreen verknüpfen die Geschichte mit der Gegenwart.
Nicht anders in Augsburg: Die Maximilianstraße gilt als eine der kunsthistorisch bedeutsamsten Straßen Süddeutschlands. Verbunden mit dem Aufstieg Augsburgs zur mächtigsten europäischen Finanzmetropole des 16. Jahrhunderts siedelten sich hier Patrizierfamilien, Bankiers und Kaufleute an. Das prächtige Schaezlerpalais zeugt noch heute von dieser bedeutenden Epoche der Stadtgeschichte. Die „Maxstraße“, wie sie von den Augsburgern liebevoll genannt wird, entwickelt sich gegenwärtig zur regelrechten „Kaisermeile“, wo gerade an lauen Sommerabenden Geschichte und Gegenwart zu Leben verschmelzen.
Ein Spaziergang durch die Innenstadt auf den Spuren des Kaffees bietet sich in Regensburg an. Zum Charme der Regensburger Altstadt gehören zweifellos die zahlreichen Kaffeehäuser. Sie alle laden auf ganz spezielle Weise zum Verweilen ein und „versüßen“ im wahrsten Sinne des Wortes jeden Aufenthalt mit ihren verlockenden Köstlichkeiten. Kaffeehauskultur hat in Regensburg eine lange Tradition; wer sich damit beschäftigt, erhält ganz besondere Einblicke in Geschichte und Geschichten der Stadt. Die Tradition ist bis heute lebendig geblieben. Ein Spaziergang mit Geschmack!
Über der Stadt thront die Festung Marienberg und ihr zu Füßen lädt die alte Mainbrücke dazu ein, in die Stadt hinein zu gehen und diese für sich zu entdecken. Die Mainpromenade in Würzburg führt vorbei am alten Kran, einem steinernen Zeugen familiärer Tradition: Franz Ignaz, der Sohn des Würzburger fürstbischöflichen Baumeisters Balthasar Neumann, konstruierte diesen mit Tretrad und Flaschenzug noch funktionsfähigen Drehkran. Wenn die Sonne untergeht und am Main das Stadtpanorama golden leuchten lässt, dann kann man hier am Ufer auch schon mal den Würzburger Nachtwächter treffen, der manch überraschende Geschichte zu erzählen weiß.
Verbunden mit dem Wunsch der Stifterin, „dass die gottgesegnete Gegend auch die Menschen zu erhöhtem und warmen Daseinsgefühle erhöbe“ wurde ab 1856 auf Geheiß der Kaiserin Augusta eine Parkanlage samt Promenade entlang des Rheins in Koblenz angelegt. Beim Spaziergang entlang des Flusses passiert man ein von den Bürgern der Stadt gestiftetes Denkmal, das noch heute die sitzende Portraitstatue der beliebten Kaiserin Augusta in antikem Gewand zeigt. Ihr Blick fällt auf vorbeifahrende Schiffe sowie auf die hoch über dem Rhein gelegene Festung Ehrenbreitstein. Am Deutschen Eck, jenem Ort, an dem sich Mosel und Rhein vereinigen, lässt es sich stromaufwärts entlang der Mosel spazieren, hinein in die Koblenzer Altstadt.
Promenadenklassiker schlechthin sind in Travemünde, dem seit 1320 zu Lübeck gehörenden, vorgelagerten Seebad und Rostock-Warnemünde zu finden. Die Sehnsucht vom weiten Meer spüren Spaziergänger beim promenieren entlang der romantischen Giebelhäuser Travemündes, dem Skandinavienkai mit seinen weißen Fährschiffen aber auch entlang der Dampfer und Kutter, die zu Rundfahrten einladen. Strand, Schiffe, Kuren und Kultur: Die Bandbreite dessen, was es in Travemünde zu entdecken gibt ist groß. Ob Sandskulpturenfestival „Sand World“ (bis 02. September) oder die zweitgrößte Segelsportveranstaltung der Welt, die Travemünder Woche. Das Ostseeheilbad ist Zielhafen im Verbund der “Baltic Sail” und bietet zur Sail Travemünde (23. bis 26. August) sogar die Möglichkeit auf dem Großsegler “Kruzenshtern” mitzusegeln.
In Rostock flaniert man im Ortsteil Warnemünde auf der Promenade parallel zum Strand. Beginnend am „Teepott“, einem Gebäude mit auffälliger Dachkonstruktion und großen Glasflächen sowie dem historischen Denkmal alter Leuchtturm. Auf der Promenade herrscht an Sommertagen reger Betrieb. Viele Menschen ziehen mit Sack, Pack und Kindern unterm Arm zum Strand, zählt doch dieser hier zu den breitesten, die an der Ostsee zu finden sind. Von der Promenade führt der Weg zum Alten Strom. Hier liegen kleine Fischerboote, Yachten und Segler und größere Schiffe laden zur Hafenrundfahrt ein. Landseitig dicht aneinandergereiht locken Geschäfte, Cafés, Eisdielen und Restaurants.
In Potsdam verbindet der Verlauf der Promenade vom Nauener Tor über das Jägertor zum Brandenburger Tor die drei noch erhaltenen Stadttore. Die Promenade bildet für Reisende eine Orientierung für den Weg zwischen Innenstadt und dem Park Sanssouci und macht den Verlauf der ehemaligen Stadtmauer erlebbar. Entlang der Hegelallee lassen liebevoll modernisierte Fassaden den Hauch der Geschichte spüren. Zugleich stoßen während des Spaziergangs die architektonischen Einflüsse der Weltgeschichte aufeinander: So war der Konstantinbogen in Rom das Vorbild des hiesigen Brandenburger Tores. Das Nauener Tor hingegen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Holländischen Viertel und ist vermutlich das früheste Bauwerk, das nach dem Vorbild der englischen Neugotik auf dem europäischen Kontinent entstand.
Die Entwicklung der Stadt Erfurt ist wesentlich von einem kleinen Fluss, Gera genannt, beeinflusst worden. Die mittelalterliche Stadtbefestigung folgte in weiten Teilen nicht nur dem Verlauf der Gera, sondern nutzte den Fluss direkt oder indirekt zur Erhöhung der Wehrfestigkeit der Stadt. Der Verlauf der einstigen Befestigungsanlagen, die ab 1873 zugunsten der Stadterweiterung geschleift wurde, kann von Spaziergängern noch heute abgeschritten werden. Durch Parkanlagen, vorbei an der gründerzeitlichen Architektur der angrenzenden Stadtviertel sowie über verschiedenste Brückenbauwerke z.B. mit Jugendstilelementen, aus Ziegelmauerwerk oder mit Obelisken verziert. Erfurt zählte einst zu den bestausgebautesten und modernsten Festungsanlagen Europas. Dort, wo nicht alle Festungsanlagen beseitigt wurden, werden sie nun wieder nach und nach freigelegt und rücken in das Bewusstsein der Menschen zurück.
Die Promenieren suggeriert einen Spaziergang zu Fuß. Wo, wenn nicht in der Fahrradhauptstadt Deutschlands, könnte dies auch ein Promenieren mit dem Fahrrad sein? Die Promenade in Münster ist ein aus dem Befestigungsring entstandener Rad- und Fußweg um die Altstadt herum, der die verschiedenen Epochen der Stadtgeschichte miteinander verbindet. Für Rad fahrende Besucher gehört es geradezu zum Pflichtprogramm, die das Stadtbild prägende Promenade kennen zu lernen. Sie entstand im 18. Jahrhundert auf der Fläche der zuvor geschleiften Stadtbefestigung, ist 4,5 km lang, von Bäumen umsäumt und nur dort von Straßen unterbrochen, wo einst Stadttore in die Stadt hineinführten. Die Promenade ist nur für den nicht motorisierten Verkehr freigegeben und deshalb für Radfahrer und Fußgänger sehr attraktiv. Für den Radverkehr ist die Promenade unverzichtbar. So wurden hier schon bis zu 1.200 Radfahrer pro Stunde gezählt.
Der Klassiker eines Panoramaweges, der von Kennern als eine der schönsten Promenaden Europas bezeichnet wird, ist der Philosophenweg in Heidelberg. Von hier bieten sich dem Spaziergänger schöne Ausblicke auf die Universitätsstadt am Neckar. Der Blick fällt auf die drei stadtbildprägenden Kirchtürme von Heiliggeist-, Jesuiten- und Peterskirche, die alte Brücke über den Neckar und auf das berühmte Heidelberger Schloss. Der Romantiker Joseph von Eichendorff unternahm auf diesem Weg regelmäßige Spaziergänge und auch anderen berühmten Dichtern und Denkern wird dieser Ausblick auf Heidelberg nicht verborgen geblieben sein. Schöne Gartenanlagen locken zu kleinen Pausen und ein wahrer Höhepunkt im Jahr ist der Ausblick auf das Schloss während der so genannten Schlossbeleuchtung, wenn ein Brilliantfeuerwerk das Stadtpanorama funkelnd leuchten lässt.
Der Schlossberg in Freiburg, vis à vis der Altstadt gelegen, ist ein beliebtes Ausflugsziel und bietet dem Spaziergänger schöne Aussichten auf die Stadt, das Münster und bei guter Sicht weit bis in das Rheintal. Ausgangspunkt im Tal ist das Schwabentor. Von dort geht es den Berg hinauf z.B. zum Kanonenplatz, von dem man beeindruckende Sonnenuntergänge sehen kann. Von dort folgt man dem Verlauf des Schlossbergrundwegs. Eine zeitgemäße Art des „Promenierens“ ist hier ebenfalls möglich. Freunde des Nordic Walkings finden eine ausgeschilderte Strecke vor. Zeit sollte man sich in jedem Fall nehmen: Spazieren zwischen knorrigen Bäumen, Resten der ehemaligen Festungsanlage, die ab dem 11. Jahrhundert errichtet wurde und dessen Reste vom 35 Meter hohen Aussichtsturm auf dem „Salzbüchsle“ erkennbar werden.
Von der Innenstadt in Trier führt ein alter Kreuzweg zwischen den Weinbergen hinauf auf den Petrisberg, den Hausberg der Trierer. Der Petrisberg besitzt mit der Jean-Paul-Sartre-Promenade einen Panoramaweg der interessante Einblicke und Ausblicke in Triers jüngsten Stadtteil bietet. War der Berg von der Römerzeit bis in die jüngere Gegenwart mit seinen Kasernen stets in der Hand des Militärs, so wurde mit der Landesgartenschau 2004 der Berg in die Hand der Bürgerschaft gegeben. Noch heute zeugen verbliebene Themengärten, hochwertige Sport- und Freizeitanlagen, Skulpturen und vor allem auch die zeitgenössische innovative Baukultur davon, dass ein neuer Stadtteil in der ältesten Stadt Deutschlands entstanden ist, von dessen Plateau der Blick bis ins benachbarte Großherzogtum Luxemburg reicht.
Augsburg, Erfurt, Freiburg, Heidelberg, Koblenz, Lübeck, Münster, Potsdam, Regensburg, Rostock, Trier, Wiesbaden und Würzburg, allesamt Städte mit einem unverwechselbaren Profil, vielfältig und reich an regionalen Unterschieden, sind attraktive Reiseziele und bieten eine erfrischende Vielfalt der Freizeitgestaltung.
Sie bilden die Gemeinschaft der HISTORISCHEN STÄDTE DEUTSCHLANDS und werden unterstützt durch die Deutsche Zentrale Für Tourismus (DZT), die Deutsche Bahn und Lufthansa.